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schwindeln from Christian Bilger on Vimeo.

schwindeln

Das Wort "schwindeln" ist ein "Teekesselchen". Je nach Kontext bedeutet es etwas anderes. Hat man sich einen Hang hinabgerollt und oder auf einer verdrehten Schaukel gesessen, schwindelt einen. Wird man dann gefragt, ob einem schlecht sei, und man sagt "nein", ist das vermutlich geschwindelt.

Die kinetisch-akustische Installation von Christian Bilger trägt diesen doppeldeutigen Titel.

In Schwindel kann man schon geraten, wenn man sich darauf einlässt, die vielen kleinen Metallscheiben zu beobachten, die an langsam drehenden Gewindestangen tapfer und leise sirrend ihren Weg hinauf und hinunter machen. Wie kleine Geschöpfe, die einem höheren Zweck folgen, Ameisen oder auch Menschen aus großer Höhe gesehen. Ein Schwarm tanzt um sich selbst.

Auch bei der Ausstellung "KARDAN_geschmeidig im Raum" vor 3 Jahren gab es eine Drehbewegung. Während es damals allerdings um Verzögerung und minimale Veränderung einer langen Kette ging, steht hier die sofortige Reaktion vieler kleiner Einzelelemente im Vordergrund. Bei beiden geht es um die Verwandlung eines simplen Dreh-Impulses in ein komplexes Bewegungsereignis.

Bilger benutzt technische Antriebe und Accessoires aus dem handwerklichen Gebrauch. Er verändert sie für seine Zwecke, montiert sie zu etwas Neuem zusammen. Es ist eher das Entdecken typischen Verhaltens von Material und Gegenständen, das er in andere und neue Zusammenhänge bringt, als das Erfinden. Bei schwindeln ist der Klang, das Geräusch, ebenso wichtig wie die visuelle Erscheinung, wenn es sich ohne Unterlass langsam dreht und schnell taumelt.

Ein videoloop bringt Licht ins Dunkel des Galeriekellers. Bilger hat dort hin ein Stück Natur verschoben.













20-10-2016 | Disclaimer | Impressum | Christian Bilger, VG Bild-Kunst, Bonn