NEUE ERKENNTNISSE AUS DER ZUCK - UND SPULENFORSCHUNG

Über die Arbeit TROMBONE, andere Gedanken zur SPULE.

Zur Spule ist soviel zu sagen, dass sie ein elektromagnetischer Apparat ist, der durch sein individuell gestaltetes Zucken wie auch seine akustisch erzeugten Reize die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Bewegung und Technik bedeuten Erweiterung und Material für mich, das es zu inszenieren gilt, und zwar im JETZT - ZEIT - KONTEXT, sozial, politisch, philosophisch. Eigene Produkte und Werte bauen, die mit Freude vorbei- und hineinzielen in das längst übersättigte Angebot. Wenn man sich einmal auf die Spulenforschung eingelassen hat, kann man nicht mehr davon lassen. Es ist, als ob man diesem Phänomen verfalle. Faszinierend daran ist der unermüdliche Kraftaufwand, mit welchem der Kern gegen eine physikalische Realität arbeitet. Diese Gegenarbeit ist ein beeindruckender Moment, wenn nicht gar der faszinierendste. Eine kontradiktische Struktur, verankert zwischen den zwei extremen Polen, evoziert hüpfendes, zappelndes DASEIN. Es ist möglich, Spulen unterschiedlichsten Umgebungen auszusetzen, sie in Ambiente der verschiedensten Materialien zu integrieren, und doch wird die Spule ihre ihr immanente zuckende Präsenz behaupten. Unbeirrbar folgt der Kern dem Auf- und Abbau seines ihn umlagernden Kraftfeldes. Diese beiden Komponenten sind vollkommen von einander abhängig, und so funktioniert das Phänomen nur in Synthese. Freilich ist der Kern für sich allein ein Kern und das Feld für sich allein ein Feld. Durch die Kombination der beiden Elemente und einen regelnden Mechanismus, der das Feld mit pulsierendem Strom versorgt, tritt es zutage, das anmutige Bewegtsein des Spulenkerns, begleitet vom Vibrieren des ganzen Spulenapparates und dem taktvollen Klopfen der eigenen Bewegungen.
Ein TROMBONE funktioniert ebenfalls in diesem Kontext und präsentiert das Zucken, verstärkt im akustischen Bereich. Da gegensätzliche Materialien ein formales wie auch thematisches Element meiner Bemühungen sind, besteht ein einzelnes Trombone einerseits aus fast organisch geschlungenem Plastikröhren (Drainagerohr). Auf dem einen Ende der Röhre sitzt die Spule und trommelt auf einem Resonanzfell. Das Pulsieren wird durch eine Schaltung gesteuert. Auch das andere Ende der Röhre ist mit solch einer Membran verschlossen, worauf ein kleiner Ball ruht, wenn er nicht gerade durch den Schlag des Stößels auf das ihm gegenüberliegende Fell ein wenig erschüttert oder sogar in die Höhe gerissen wird. Es ist ein banales Ereignis, aber dennoch faszinierend. So findet in diesem gelben Rohr, in dem Luft eingeschlossen ist, etwas statt, das seine Auswirkung erst am Ende des Unsichtbaren - dort wo wieder sichtbares Material ist - zeigt. Es zeigt sich eine gewisse Kausalität, Trombone ist somit ein kleiner Vorstoß in die Tiefen der Chaostheorie, denn, wenn auf der einen Seite eine Spule zuckt, hüpft auf der anderen ein kleiner Ball. Werden mehrere Trombone zu einem raumfüllenden Arrangement installiert, ist es ein kleines, weit in die Räume hineinverteiltes, schrilles Orchester klopfender Töne. Es ist alles zu sehen, alles zu hören, zu erkennen ist wenig - ein Ding und sein Vorgang.